PIRATEN Hamburg Eimsbüttel

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Verloren im Tarifdschungel

Wer in Hamburg Bus fährt und eine Fahrkarte lösen möchte, kann erleben, wie ein Tarifsystem nicht funktioniert. Die Fahrer haben über 140 verschiedene Preise und Tickets in ihrem System, sollen sie doch Karten für jede Lebenslage im Rahmen des HVV verkaufen. Technik und Fahrer stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen, wenn eine Fahrkarte abseits des Großbereich-Standards verkauft wird.

Handelt es sich um eine Einzel- oder Tageskarte für eine Person, ist es einigermaßen überschaubar, vor allem, wenn man dem Fahrer das Tarifgebiet nennen kann, in dem das Wunschziel liegt. Kann man das nicht, so hat der Fahrer die Möglichkeit, den Ort über ein alphabetisches System aufzurufen und die entsprechende Karte auszugeben – wenn nicht zu viele Leute einsteigen wollen (vorne!). Hoffnungslos ist es bei Gruppen- oder Mehrtageskarten. Sie sind irgendwo im System – müssen ja da sein, aber der Fahrer findet sie nicht. Das führt dazu, dass man als zahlungswilliger Fahrgast hinter dem Fahrer stehen bleiben muss, bis der – an jeder Ampel auf ein Neues – sein Ausgabegerät malträtiert und alle möglichen Karten abruft, nur nicht die Gewünschte. Regelmäßig fährt man ohne Fahrschein mit und löst dann an der nächsten S-Bahn-Station selbst am Automaten das gewünschte Ticket – Schwarzfahren mit Billigung des Fahrers. Ob Kontrolleure das auch billigen würden, ist uns bisher nicht bekannt.

Das Problem beim Personal zu verorten, greift zu kurz, denn es tritt bei eigentlich allen Fahrern auf. Da die – laut Angabe der Hochbahn – geschult werden, bleibt nur noch ein Schluss übrig: Das System ist zu kompliziert, als dass eine Person, die eigentlich dazu da ist ein Fahrzeug zu steuern, es auf die Schnelle überblicken kann, vor allem, da diese Person auch noch die Fahrscheine der Einsteigenden betrachten soll.

 

Tarifchaos beim HVV – ein hausgemachtes Problem

In seinem Bestreben, auch noch jeden gefahrenen Meter korrekt zu berechnen, haben sich Hochbahn und HVV gründlich in ihrem eigenen Tarifdschungel verloren. Selbst auf der eigenen Strecke wissen die Fahrer nicht immer, welcher Tarif der Richtige ist. Ein Beispiel ist die Strecke der Buslinie 4, auf der man zwischen Kaiser-Friedrich-Ufer und U-Bahn Osterstraße mal € 1,40 und mal € 1,90 bezahlt (korrekt ist 1,90 für zwei Stationen. Der überteuerte Preis erklärt sich nicht durch die Länge der Strecke, sondern den Wechsel von einem Tarifgebiet ins nächste). Das gleiche Spiel kann man auch in Richtung Innenstadt oder in Altona erleben, auch hier sind sich die Fahrer alles andere als einig, was den Fahrpreis angeht.

Schwierig wird es, wenn im Bus kontrolliert wird und die Kontrolleure etwas anderes behaupten als der Fahrer. Hier wird das Tarifchaos an den Fahrgast delegiert, der letztendlich für die Fehler des Personals und die Überorganisation des Systems bezahlen muss.

Sicherlich ist es für einen Verkehrsverbund praktischer, wenn alle Fahrgäste eine Dauerkarte haben, doch die lohnt sich nicht für jeden – dafür ist der HVV schlicht zu teuer, und Dauerkarten sind für Gelegenheitsfahrer unattraktiv.

Nun wird über ein Bezahlsystem per Handy nachgedacht, doch auch das ist nicht problemfrei: Die Überwachungsskandale um Tempora und Prism haben das Bewusstsein für das Speichern von Daten ebenso geschärft wie die Praxis der Funkzellenabfrage bei Handys (Bewegungsdatenspeicherung) und der nun Bestandsdatenauskunft genannten Vorratsdatenspeicherung. Möchten wir wirklich elektronisch jedes Mal kundtun, wenn wir ein Ticket mit dem Handy bezahlen?

Die Piratenpartei setzt ihr Konzept eines umlagenfinanzierten HVV dagegen, an dem nicht nur Haushalte, sondern auch Gastgewerbe und Wirtschaft beteiligt werden. Tallin, die Hauptstadt Estlands, hat es vorgemacht und verbucht bereits erste Erfolge: Die Verkehrsbelastung durch PKWs geht zurück – das könnte Hamburg mit seinem Dauerbaustellenchaos und den Nadelöhr-Passagen auch gut gebrauchen.

Durch einen umlagenfinanzierten HVV würde nicht nur die Umwelt profitieren (weniger Staus, weniger Schadstoffbelastung, weniger Verkehr), sondern gerade auch die Bürger, die sich Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kaum noch leisten können: die Empfänger von Transferleistungen. Für sie sind bereits Einzelkarten eine einschneidende Ausgabe, die gut überlegt sein will. Ein umlagenfinanzierter HVV würde dieser Personengruppe gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Es würde die Fahrer entlasten, die dann auch nicht mehr so tun müssten, als starrten sie auf die Fahrscheine, die ihnen beim Einstieg entgegengehalten werden (eine genaue Kontrolle ist auf die Schnelle gar nicht möglich, der Einstieg funktioniert auch mit irgendeinem alten Fahrschein, Organspendeausweisen oder Kinokarten).

Hamburg braucht endlich einen modernen HVV, der den Ansprüchen einer Gesellschaft, die sich gerade in den Metropolen zunehmend vom eigenen PKW verabschiedet, genügt – was das Streckennetz, die Verkehrsmittel und das Bezahlsystem angeht. Lasst und in Hamburg ausnahmsweise mal modern und zukunftsweisend denken anstelle des ewigen Klein-Klein.

Zum Weiterlesen: 

 


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