PIRATEN Hamburg Eimsbüttel

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Schrotträder: Ruinen der Wegwerfgesellschaft

Eimsbüttel ist eine Fahrrad-Hochburg in Hamburg. Die zentrale Lage, die kurzen Wege und die gute Infrastruktur vor Ort sorgen dafür, dass für immer mehr Menschen nicht nur in den wärmeren Jahreszeiten das Fahrrad das Verkehrsmittel der Wahl ist. Nicht mal die Unfähigkeit des Senats, ein vernünftiges Fahrradwegenetz zu installieren, kann die Beliebtheit des unmotorisierten Zweirades dämpfen. Dementsprechend hoch ist auch die Dichte an Fahrradhändlern im Bezirk.

Die Liebe zum Fahrrad hat allerdings einen unschönen Nebeneffekt, denn auch die Dichte der im öffentlichen Raum endgültig abgestellten Fahrräder kann sich sehenlassen: wo Fahrradabstellmöglichkeit, da auch Schrottrad. Sie blockieren den Platz, den Radfahrer für ihre genutzten Räder brauchen, versperren Wege und können zum Verkehrshindernis werden, während sie ihrer Auflösung entgegenrosten.

 

Leider dauert die Auflösung jedoch zu lange, daher nimmt sich die Stadtreinigung dieser verwaisten Fahrräder an, für deren Besitzer der Gang zum Recyclinghof anscheinend zu aufwändig war. Bis zur Entsorgung vergehen Monate (schließlich kann man fremdes, meist durch ein Schloss gesichertes Eigentum nicht einfach wegwerfen) und ist teuer. Der Stadtteilreporter Eimsbüttel nennt Kosten von 30 – 40 Euro pro Rad.

 

Entsorgt werden nicht nur die Ruinen, denen inzwischen vitale Teile abhanden gekommen sind, sondern auch Räder, die intakt, nutzbar und verkehrstauglich sind, aber eben nicht abgeholt wurden. Die Stadtreinigung unterscheidet nicht, es wäre auch zu viel verlangt, würde es doch die ohnehin hohen Kosten für die Verschrottung noch weiter steigern. Aber schade ist es schon.

 

Wir leben in einer irgendwie schizophrenen Zeit. Einerseits wird alles und jedes zu etwas “Nachhaltigem” erklärt und entsprechend ein von “Nachhaltigkeit” geprägter Konsum gepredigt. Andererseits werden wir täglich mit einem gigantischen Warenangebot fast jeder Preisklasse konfrontiert und leben die Wegwerfmentalität, als gäbe es weder ein Morgen noch wachsende Müllberge. Dabei gibt es durchaus einen Markt für gebrauchte Fahrräder, einige Händler haben sich auf aufgearbeitete Räder spezialisiert. Sind gute Fahrräder hochpreisig, so sind gute Gebrauchträder nicht billig. Sie bedienen vor allem Kunden, die schnell ein Rad brauchen, sich aber momentan kein neues leisten können oder solche, die ein günstigeres Zweitrad für den täglichen Gebrauch suchen und Angst vor dem Diebstahl ihres Edelfahrrades haben.

 

Auf der Strecke bleibt die wachsende Schar von Menschen mit geringem Einkommen, denn für diese sind selbst höherwertige Gebrauchträder oder (oft genug minderwertige) Neuware vom Discounter zu teuer.

 

Was man also bräuchte, um die glücklichen Paare aus verwaistem aber tauglichem Fahrrad und Neubesitzer zu vereinen, wäre eine Stelle, die beide schnell und unbürokratisch zusammenbringt – natürlich ohne den hierzulande üblichen Wasserkopf aus Bedürftigkeitsprüfungen und ähnlichen demütigenden Prozeduren. Eine Auswahl könnte vor der endgültigen Entsorgung getroffen werden, sodass nur die defekten Räder, bei denen sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, verschrottet werden.

 

Berlin macht es vor: Hier werden herrenlose aber fahrtüchtige Räder überprüft und gegebenenfalls aufgearbeitet oder ausgeschlachtet und an Menschen mit geringem Einkommen zum Sonderpreis verkauft. Ein Fahrrad bedeutet nämlich für einen Empfänger staatlicher Leistungen nicht nur Mobilität (die öffentlichen Verkehrsmittel sind nämlich zu teuer), sondern auch eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe.

 

Auf diese Weise könnte der Wegwerfmentalität wenigstens auf diesem Gebiet Einhalt geboten und für die entsprechende Werkstatt Einnahmen generiert werden. Ein geeigneter Kooperationspartner wären Fahrradstationen wie z. B. am Dammtor, wo es auch eine Selbsthilfewerkstatt gibt. Da könnten die neuen Besitzer sogar ihr Rad selbst wieder in Schuss bringen – und es würde Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen.

 

Es würde zumindest die Entsorgungskosten reduzieren und Menschen mit geringen finanziellen MItteln zu einem Fahrrad und damit zu mehr Mobilität verhelfen.


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