PIRATEN Hamburg Eimsbüttel

Offizielle Webseite des Bezirksverbands Eimsbüttel der Piratenpartei Hamburg

Fahrrad_CC-BY-Frank_Nocke

Mit dem Fahrrad in Eimsbüttel

Eimsbüttel ist ein hoch verdichteter Bezirk, der mit seinen 250 000 Einwohnern bei Wikipedia als Großstadt in der Millionenstadt bezeichnet wird. Eimsbüttel (Stadtteil) und Hoheluft-West sind die beiden am dichtesten besiedelten Stadtteile Hamburgs. Hinzu kommt die zentrale Lage; hier herrscht gerade zu Berufsverkehrszeiten reger Durchgangsverkehr. Dies schlägt sich im Straßenbild nieder: Alles ist zugeparkt, auch die viel zu engen Nebenstraßen, außerdem sind zahlreiche Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs. Die Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz ist durchaus gut bis zufriedenstellend. Diese Faktoren sowie ein Wertewandel unter jüngeren Menschen führte dazu, dass gerade hier immer mehr Leute auf ein eigenes Auto verzichten – man braucht es in Eimsbüttel nicht, und für die meisten ist es eher hinderlich und steht die meiste Zeit in der Gegend herum; weil man keinen Parkplatz in Wohnungsnähe gefunden hat, oft genug weit weg von dieser.

Alles da, aber nichts richtig

Wer sich in Eimsbüttel bewegt, bekommt schnell das Gefühl, dass, obwohl es Fahrradwege, mehrspurige Straßen und gefühlte Massen an Parkplätzen vorhanden ist, fast alle zu kurz kommen. PKW-Nutzer beschweren sich über mangelnden Parkraum, Fußgänger beschweren sich über massiv zugeparkte Straßen und Plätze, die die Lebensqualität beeinträchtigen sowie über rücksichtslose Fahrradfahrer, und letztere über Fußgänger, Autofahrer und mangelnde Infrastruktur abseits der zahlreich vorhandenen Fahrradläden.

 

Wem gehört der Bürgersteig?

Besonders dramatisch ist die Situation auf den Bürgersteigen viel frequentierter Straßen: Sie sind breit genug, um einen Fahrradstreifen zu schaffen, der farblich von der den Fußgängern zugedachten Fläche abgesetzt ist. Und da beginnt gewissermaßen das Unglück. Es kommt regelmäßig zu Konflikten: Fußgänger bemerken den Fahrradstreifen oft gar nicht und nutzen ihn ebenfalls, was zu riskanten Bremsmanövern führt. An den Ampeln knäulen sich Fußgänger und Fahrradfahrern, da der Platz für wartende Zweiradfahrer viel zu knapp bemessen ist. Vor allem wird eins deutlich: Fahrradfahrer sind für den Bürgersteig einfach viel zu schnell. Vor allem aber berücksichtigt die Teilung des Bürgersteigs in eine Geh- und eine Fahrspur eines nicht: dass Menschen auch mal in Gruppen unterwegs sind, mit kleinen Kindern, Kinderwägen oder einfach auch mal nur mit viel Gepäck. Es ist ein theoretisches Konstrukt, erdacht von Theoretikern, die eines nicht berücksichtigen: die Lebenswirklichkeit echter Menschen.

 

Dabei sind einige Teile von Eimsbüttel mit ihren relativ kurzen Wegen für die Deckung des täglichen Bedarfs geradezu ideal, um diese Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen – oder auch zu Fuß.

 

Ein Fahrrad kaufen: ja, ein Fahrrad nutzen: eher unangenehm

Wer nun selbst mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird feststellen, dass die Lage nach dem Kauf schwierig ist. Es gibt an jeder Ecke ein Fachgeschäft, vom Gebrauchtradmarkt bis hin zu Edelgeschäften für den ganz hohen Anspruch. Es gibt wenige privilegiert ausgebaute Routen für Fahrradfahrer, aber nur dort, wo sie den Autoverkehr nicht stören, z. B. am Isebekufer entlang. Ansonsten holpert man in Seitenstraßen neben wild geparkten Autos entlang, die das Einsehen von Einmündungen und Kreuzungen schwierig machen – und das Fahren gerade hier gefährlich. Auf den Hauptrouten sind viele Fahrradwege immer noch zu schmal, Konflikte mit Fußgängern eher die Regel als die Ausnahme – auch wenn man langsam und rücksichtsvoll fährt und sich überhaupt alle sehr viel Mühe geben.

 

Paradies Bogenstraße

In der Bogenstraße, Nähe Hoheluftchaussee und Schlump, ist die Situation eine völlig andere: Hier wurde ein Fahrradstreifen mittels weißer Farbmarkierung von der Fahrbahn abgesetzt, sodass man entspannt auf der Fahrbahn entlangradeln kann – ohne mit Fußgängern zusammenzustoßen oder von PKWs an den Rand gedrängt zu werden. Das funktioniert erstaunlich gut: Autofahrer nehmen auf den seitlichen Streifen Rücksicht und akzeptieren die Teilung der Fahrbahn. Somit bildet die Bogenstraße ein geradezu paradiesisches Gegengewicht zu anderen, vielbefahrenen Verkehrsadern des Bezirks. Der auf der Fahrbahn ausgewiesene Fahrradstreifen entspricht auch der Forderung des ADFC (Allgemeiner deutscher Fahrradclub): Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören im Regelfall auf die Straße. 

 

Parkraum für Fahrräder: Mangelware

Fahren mit dem Fahrrad in Eimsbüttel ist mühsam, aber das Abstellen ist noch mühsamer. Es gibt zahlreiche private Fahrradhäuschen, wo man einen Platz mieten kann, doch diese sind teuer, und es muss auch genügend Platz für eine solche Anlage sein. Wessen Haus über einen Fahrradkeller verfügt, darf sich glücklich schätzen; der Rest kann sehen, wo seine Fahrräder bleiben bzw. halbwegs sicher angeschlossen werden können. Noch schlechter sieht es aus, wenn man z. B. mit dem Rad zum Einkaufen fährt. Der Versuch, sein Fahrrad z. B. an der Osterstraße oder der Hoheluftchaussee loszuwerden, gleicht gerade an schönen Tagen einer logistischen Herausforderung. Kein Mast, keine Fahrradabstellanlage, nirgendwo. Zumindest keine, wo noch ein Plätzchen frei ist. Oft bleibt nur, das Fahrrad freistehend und ohne es an einem verankerten Gegenstand wie einem Mast anzuschließen. Was bleibt, ist Unbehagen und die Frage, ob das gute Stück nach erfolgreichem Einkauf noch da ist. Es ist also nicht nur schwierig, ein Rad zu nutzen, sondern auch, eins zu besitzen.

 

Kein Einheitskonzept für alles

Auf die Frage, wie wir den Verkehr hier gestalten wollen, kann es keine einfache Antwort geben. Es liegt auf der Hand, dass ein so vielfältig bebauter Bezirk wie Eimsbüttel in dem es von autobahnähnlichen Verkehrsadern wie der Kieler Straße über stark genutzte Einkaufsstraßen (Osterstraße) und vielen kleinen, teilweise sehr schmalen Seitenstraße alles gibt, mehr als dieses “Autos auf die Straße, Fahrräder und Fußgänger auf die Bürgersteige, und in Seitenstraßen alles irgendwohin” braucht, um ausgewogen allen Verkehrsteilnehmern einigermaßen gerecht werden zu können.

 

Die angespannte Verkehrssituation mit einer starken Dominanz des PKW-Verkehrs muss überdacht und verändert werden. Eimsbüttel mit seiner hohen Verdichtung und dichten Bebauung ist ideal, um neue Verkehrskonzepte zu testen. Denkbar sind auf der Fahrbahn ausgewiesene Fahrradstreifen für breitere Straßen, Fahrradstraßen, Shared-Space-Konzepte und natürlich der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Damit wir endlich eine Verkehrssituation schaffen, die der modernen Lebenswirklichkeit gerecht wird.

 

Gleichberechtigtes Nebeneinander als Verkehrskonzept der Zukunft?

Das  in den siebziger Jahren propagierte und durch unzählige, zum Teil völlig sinnfreie Maßnahmen geförderte Konzept der “autofreundlichen Stadt” muss als gescheitert angesehen werden, zumindest für die meisten Großstädte und Metropolen. Dies wird jeden Tag aufs Neue bewiesen, und wer das nicht glaubt, möge sich eine Woche im Berufsverkehr durch Hamburg bewegen. Die Rohstoffverknappung und der fehlende Parkraum tun ihr übriges: Der PKW ist ein Baustein im empfindlichen und komplizierten Gewebe des Individualverkehrs, aber er ist weder der einzige noch der wichtigste, das ist nämlich der öffentliche Nahverkehr, der unschlagbar ist, große Menschenmengen in kürzester Zeit von einem Ort zum anderen zu bringen.

 

In der letzten Bezirksversammlung am 13. Dezember wurde einstimmig beschlossen, sich um Mittel für Radverkehrsinstandsetzung zu bewerben (Vorlage liegt in Open Plenum vor und ist natürlich nicht verlinkbar). Vor allem sollen in der Osterstraße Fahrradstreifen auf der Fahrbahn entstehen. Es wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Lebensqualität und Sicherheit.

 

Wir brauchen Lösungen, die allen Verkehrsteilnehmern Raum verschaffen, sich sicher und zügig in der Stadt zu bewegen, auch den Schwächeren, nämlich den nicht Motorisierten: Fußgängern und Fahrradfahrern. Andernorts ist man da deutlich weiter. 

 

Zum Weiterlesen: 

 

  • Die Forderungen des ADFC zum Fahrrad im Straßenverkehr:
  • Das Programm der Piratenpartei Hamburg zum öffentlichen Nahverkehr:  (in Überarbeitung)
  • Elbe Wochenblatt: Alle Jahre wieder  - über die Situation von Fahrradfahrern und Fußgängern im Winter

Foto: Frank Nocke, Lizenz CC-BY 3.0

 


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